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Coach&Coach: Pflicht oder Kür – was müssen wir wirklich?

3. June 2022

Jeder kennt sie, jeder hasst sie: Pflichten die man zwar gewissenhaft erfüllt, die einem aber überhaupt keinen Spaß machen. Was davon ist vielleicht selbstauferlegt? Wie kann man sich von unliebsamen Pflichten befreien und denen, die nicht zu beseitigen sind, mehr Spaß abgewinnen? In dieser neuen Folge von Coach&Coach gehen Jan Gustav Franke und ich den Pflichten an den Kragen!

 

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Hier die Transkription des Podcast:

Björn
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Coach und Coach. Mit mir Björn Bobach und Jan Gustav Franke. Hallo, Jan!

Jan
Hallo Björn.

Björn
Ja, ja. Heute sprechen wir über etwas, wo ich mich gerade frage, ob ich eine Verpflichtung für dich bin.

Jan
Also wir beschäftigen uns heute mit Verpflichtungen und du fragst Ist es eine Verpflichtung für mich? Wie meinst du das denn?

Björn
Na ja, wie ist denn bei dir das Wort Verpflichtung so verankert? Ist das was Positives? Was Negatives?

Jan
Also ich persönlich finde eine Pflicht ist erst mal neutral. Und die Frage ist, was man daraus macht.

Björn
Na gut, dann spinnen wir das Ganze ein bisschen weiter. Was ist denn eine Pflicht? Wer verpflichtet uns denn zu irgendetwas? Wer entscheidet das denn? Eine Pflicht ist ja eigentlich etwas, was wir machen müssen.

Jan
Genau. Also, wenn man tatsächlich mal nachschaut, dann ist die Pflicht eine Sache, die wir tun sollen müssen und der wir uns nicht entziehen können oder sollten oder dürfen. Das ist das, was eine Pflicht ist. Und das kann aus verschiedenen Kontexten kommen. Das kann aus dem persönlichen Umfeld kommen, das können Erwartungen sein aus der Familie, das können gesetzliche Verpflichtungen sein, das können berufliche Verpflichtungen sein, das können religiöse Verpflichtungen sein. Also die Palette ist so bunt wie das Leben eigentlich kann aus allen Dingen Verpflichtungen erwachsen.

Björn
Jetzt hast du alles Dinge beschrieben, die von außen kommen. Also entweder ein anderer Mensch, eine Gruppe von Menschen, eine Organisation, ein Staat, das Gesetz. Na, was ist denn mit mir selber? Kann es nicht auch passieren, dass wir uns Pflichten ans Bein ketten? Sage ich jetzt mal ganz suggestiv als in Ketten, die wir uns selber aussuchen, wo wir uns selber verpflichtet fühlen.

Jan
Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und sagen, dass alle Dinge, die von außen kommen, ja erst dann abschließend zur Pflicht werden, wenn ich sie selbst auch als das anerkenne, zu dem sie gemacht werden. Das heißt erst wenn ich sage, es gibt beispielsweise eine religiöse Pflicht. Erst wenn ich sage Ja, und ich erkenne das für mich an, dass es für mich eine Pflicht ist. Dann wird es tatsächlich erst zu einer Pflicht für mich ganz persönlich und unabhängig davon, dass es quasi Trigger gibt. Von außen gibt es aber auch Trigger von innen. Das kann sein, dass ich vielleicht persönliche Werte habe, dass ich persönliche Glaubenssätze habe wie Man muss doch etwas leisten, leisten, man muss fleißig sein und dass man dann denkt aus sich selbst heraus, dass es da auch Verpflichtungen gibt. Aber letzten Endes ist ja auch dabei die Frage das jetzt wieder so eine Persönlichkeits geschichte. Da steigen wir ja gleich ganz tief ein. Ist doch gut. Zum inneren Team usw weiter. Ist ja auch da die Frage. Oder zur Persönlichkeit.

Jan
Was ist das da? Was mir da eine Pflicht aufoktroyiert. Wenn ich das selbst bin? Also welcher Anteil von mir ist denn das eigentlich? Also irgendwie gibt es dann ja einen Anteil von mir. In mir, der mir sagt, ich möchte oder muss oder verpflichte mich aber dazu, dieses oder jenes zu tun. Aber auch das ist ja letzten Endes dann eine freie Entscheidung.

Björn
Also wer entscheidet nun, was eine Pflicht ist oder nicht?

Jan
Ja, am Ende des Tages haben wir es immer selbst in der Hand. Außer bei Dingen, denen wir uns quasi körperlich nicht entziehen können.

Björn
Ich glaube, das ist genau das. Was? Worauf ich hinaus? Die eine Pflicht. Ich glaube, eine Pflicht existiert erstmal nicht. Also wenn man jetzt mal sich im. Wenn man sich jetzt mal natürlich künstlich eine Situation vorstellt, in der wir eben nicht in einem sozialen System mit bestimmten Normen und Werten, Religionen, Rechtsstaatlichkeit und so weiter leben, sind wir zu nichts verpflichtet. Also wir kommen ja nicht auf die Welt und haben schon ganz viele Pflichten, mit denen wir belastet sind oder mit die, die wir mit uns herumtragen. Dann haben wir nur Grundbedürfnisse. Das heißt, ich verbinde das Wort Pflicht mit etwas, was ich tun sollte, entweder weil ich mir das selber überlegt habe. Für mich selber, das gibt es ja auch diese, diese Selbstverpflichtung, also dass ich zum Beispiel sage, ich möchte gesund leben. Deswegen ist es meine Pflicht, mich gesund zu ernähren, regelmäßig Sport zu machen, solche Sachen. Also das ist eine Sache, die ich mir selbst auferlege und ich finde deinen Gedanken ganz gut, dass dann kommen die Pflichten von außen, vom von der Gesellschaft, vom Partner, von Religion, wie du es gerade gesagt hast.

Björn
Aber am Ende ist es immer noch meine Entscheidung zu sagen Diese Pflicht nehme ich an und ich nehme sie in Kauf oder wie auch immer ich das begründe für mich, aber die muss ich annehmen. Also ist doch eigentlich alles, was mit einer Pflicht zu tun hat, Teil meiner Selbstbestimmung.

Jan
Ja, also zu wahrscheinlich sehr, sehr großen Teilen. Wobei wir jetzt natürlich eine ganz schön abstrakte Sicht darauf haben. Das ist halt so ein bisschen dieses Du bist dein eigener oder Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Das ist natürlich, wenn man so unterbricht, so, es kann natürlich aber auch schwer fallen, sich einem gesellschaftlichen Konsens irgendwie zu widersetzen oder da halt einfach Verpflichtungen auszuschlagen. Zu sagen, das ist mein Thema, habe ich mir ja nicht ausgedacht. Man wird aber immer. Damit leben müssen, dass es unter Umständen von außen im Konsens gesehene Verpflichtungen gibt, die also beispielsweise aus der Gesellschaft oder vom Gesetz oder wie auch immer, dass dies so gibt und dass ich mit den Konsequenzen auch leben muss. Wenn ich das nicht tue.

Björn
Und darauf wollte ich hinaus. Das finde ich jetzt. Das ganz Spannende daran, wenn man sagt Eigentlich ist eine Pflicht etwas, was man erst mal annehmen muss, also dass das immer ein Teil der Selbstbestimmung ist. Warum gibt es dann relativ häufig, wie ich finde? Die Situation, dass Menschen sich über ihre Pflicht beschweren, also dass sie sagen Ich habe so viele Verpflichtungen und ich muss das ja alles machen, und das muss ich auch noch machen. Wenn man eigentlich die Antwort ist Nein, musst du nicht, das hast du ja selber in der Hand, du kannst das ja selber entscheiden. Wie kommt das, dass eigentlich das ja eine freie Entscheidung ist? Es sei denn, es ist jetzt wirklich etwas, was das Leben bedroht, wenn man es nicht tut. Aber warum kommt es dann, dass so viele über ihre Pflichten, ich sage es mal ganz direkt jammern?

Jan
Da kommt aus meiner Sicht zwei verschiedene Dinge zusammen. Das eine ist die gefühlte Verpflichtung. Erst mal für sich zu sorgen, ein gewisses Einkommen, eine Sicherheit zu haben oder so etwas. Was den meisten Menschen so geht, dass sie irgendwie arbeiten gehen, um dementsprechend ihre Bedürfnisse befriedigen zu können, sei das Essen Sicherheit, ein schönes Zuhause oder wie auch immer. Wofür man auch. Entschuldigung.

Björn
Ich muss dich unterbrechen. Ist das Pflicht oder Notwendigkeit?

Jan
Ja. Was heißt hier Notwendigkeit? Es ist keine Notwendigkeit. Ich kann auch unter dem freien Himmel leben. Geht auch tun. Auch Menschen. Und es gibt auch Menschen, die das tun, ohne Not, sondern weil sie sagen Das ist ihr Weg. Aber in der Tat kommen wir nämlich genau zu diesem Punkt. Es ist dann eine gefühlte Verpflichtung, das zu tun. Ich muss ja zur Arbeit gehen. Aber letzten Endes ist es natürlich auch eine Entscheidung, diesen Weg so zu gehen. Das heißt, ich bin ja kein Freund von dem Spruch Wer A sagt, muss auch B sagen, muss nicht woanders hin. Aber der Punkt ist natürlich schon. Es fällt natürlich schwer zu sagen, ich habe folgende Ansprüche, aber ich möchte, dass diese Ansprüche befriedigt werden, ohne dass ich etwas dafür tue. Und das heißt, in dem Moment, wo ich vielleicht diesen Anspruch habe, habe ich vielleicht dann auch die Notwendigkeit, in Anführungsstrichen dafür zu sorgen, dass ich diesen Anspruch auch befriedigen kann. Das kann beispielsweise eine Form von schöner Wohnung sein, von einem Hobby, was ich pflege.

Jan
Das können verschiedene Dinge sein, aber letzten Endes ist es auch da immer die freie Entscheidung. Größtenteils. Ich meine, sind mal weg von Verpflichtungen. Wenn ich jetzt wirklich verantwortlich bin, beispielsweise für ein Kind oder so was. Dass, das sage ich mal im Guten, im Sinne von sicheren, gesunden Umfeld irgendwo groß wird. Auch das ist letzten Endes, wenn man es herunterbricht, ein Stück weit eine Verpflichtung, die man sich selbst auferlegt. Aber aus moralischen Gründen würde man sagen Das ist auch notwendig. Aber da kommen wir sofort in das Werten hinein.

Björn
Ja, ja und vor allem ist ja ganz spannend. Und wenn du jetzt von moralischen Gründen sprichst. Also wir Menschen waren mal Rudel Wesen. Es war nicht so, dass ein Kind nur von zwei Eltern großgezogen wurde. Sehr wahrscheinlich.

Jan
Sondern ganz schön weit in der Vergangenheit.

Björn
Ja, ja, aber nichtsdestotrotz die Pflicht, das alleine mit seinem seinem Partner zu machen, ist durch ein Konstrukt entstanden, das wir Familie nennen. Also ich bin jetzt, ich bin jetzt. Da können wir uns jetzt unglaublich rein verrennen in die Richtung natürlich, aber es ist, es ist am Ende des Tages ist es, glaube ich das, die spannende Frage Was nehme ich als Pflicht an und was nicht? Weil ich finde auch diesen Gedanken von dir gerade sehr gut zu sagen. Wer A sagt, muss auch B sagen. Ich mache diesen Satz ja auch nicht, weiß aber der. Wenn ich, wenn ich, wie du gerade geschildert hast, einen bestimmten, ein bestimmtes Leben führen will und ich aber die Pflicht nicht annehme, aber trotzdem so tue, als könnte ich dieses Leben leben, dann habe ich ein unglaubliches Konfliktpotential in meinem eigenen Leben. Nicht nur mit anderen, sondern auch mit mir selbst. Ich glaube, das grenzt dann auch schon an Dingen, die wir als Coach gar nicht mehr behandeln können, wenn es so einen Konflikt gibt.

Björn
Ich glaube, dass das dann tatsächlich eine Situation ist, die auch schon eher Richtung Persönlichkeitsstörung geht. Aber anderes Thema. Ich finde nur ganz spannend, wenn wenn immer die Frage Was nehmen wir an und was nehmen wir nicht an und warum fühlen wir uns verpflichtet?

Jan
Genau, es soll.

Björn
Es gibt das vor allem ja auch im familiären Kontext. Wie oft erlebt man das? Ich kann mich auch noch ans Studium erinnern, dass Leute sagten auch ich muss zu meinen Eltern nach Hause, da hat Judy Geburtstag mit totaler Unlust. Es aber trotzdem gemacht haben. Das ist so ein Paradebeispiel einer Pflicht Nachkommen Pflichtbewusstsein. Aber gegen komplett gegen den eigenen Willen.

Jan
Laufen wir gerade Gefahr, dass dem jetzt schon thematisch weitverbreitet.

Björn
Ist und.

Jan
Untergang. Ich war noch hängengeblieben bei dem Thema, dass man da eben auch in persönliche Konflikte kommen kann. Und das ist kein Coaching Thema mehr. Das kommt natürlich drauf an, wie tief das ist. Aber ansonsten ist das ja eigentlich ein klassisches Zielkonflikt. Thema und das ist ja, es ist ja total Kern auch von Coaching, wenn ich zum Beispiel sage, ich habe ein enormes Freiheits bedürfnis, Unabhängigkeits oder Freiheits Bedürfnis im Sinne von Ich kann jeden Tag entscheiden, was ich mache, aber gleichzeitig möchte ich gerne irgendwie ein fettes Haus, ein fettes Auto und alles auf Pump. Am besten heute schon gekauft. Dann komme ich natürlich genau dahin, dass ich sage Okay, das eine hat mit Verpflichtungen zu tun, langfristig und dann unter Umständen auch mit der Situation, dass ich nicht mehr so frei entscheiden kann. Das andere ist der Unabhängigkeits drang, der Freiheitsdrang. Und da kann man das im Coaching auch super dran arbeiten.

Björn
Ja, natürlich. Was ich jetzt meinte, sind natürlich extreme Fälle. Also wo so eine, so ein Wunsch. Ich möchte so und so leben, aber ich verhalte mich mit nichts, was ich tue in die Richtung. Da meine ich natürlich einen Extremfall mit, also ich mich dann fast schon selbstzerstörerisch verhalte. Das meinte ich jetzt natürlich. Du hast schon recht, das ist eine Zielsetzung des Coaching. Und so kannst du damit natürlich wunderbar machen, vor allem, wenn die Frage ist Ich weiß nicht wie. Wenn ich aber wüsste, wie es aber einfach nicht kann, also aus irgendwelchen Persönlichkeits Gründen, dann wird es ein bisschen schwieriger.

Jan
Wir waren gerade bei dem Thema dann angekommen, dass du sagtest, es gibt dieses Beispiel aus der Familie, dass die Großtante Ursula Geburtstag hat und deshalb muss ich jetzt nach rechts fahren und beim Kaffeekränzchen teilzunehmen. Aber ich möchte eigentlich gar nicht. Da sind wir auch bei einem Thema, was man zum Beispiel ganz gut auch bearbeiten kann mit dem Auftrags Karussell. Also auch das kann man ja sozusagen verwenden für Verpflichtungen. Also, dass ich mir eigentlich anschaue, wenn ich sage, ich habe so viele Verpflichtungen, tatsächlich mal aufschreibe, was sind denn die ganzen Verpflichtungen, die ich habe? Und die ich sehe. Und wer ist denn gefühlt der Auftraggeber dafür? Von wem kommt denn diese Verpflichtung? Und dann kann ich mich fragen Was passiert denn, wenn ich diese Verpflichtung nicht nachkomme? Und dann kann ich anfangen, auch zu priorisieren und zu sagen Okay, was davon ist mir denn persönlich eigentlich wichtig? Und herausarbeiten, was vielleicht eigentlich meine Kernthemen sind, die ich sehe, als Verpflichtung oder als Dinge, die ich machen möchte. Und da kommen wir eigentlich zu dem ganzen Kernpunkt, den du ja auch gerade schon angesprochen hast, nämlich die Frage Fremd oder Selbstbestimmung.

Jan
Empfinde ich es als Verpflichtung oder empfinde ich etwas, was ich? Empfinde ich es als etwas, was ich tun möchte? Also. Du kannst niemanden zwingen, sozusagen, wenn er selbst möchte. Oder sie. Wenn du halt, wenn du kannst die, die du kannst schon ab. Du musst den Rasen mähen. Wenn du es aber liebst, Rasen zu mähen, dann ist das keine. Ist das keine Bestrafung? Und genauso ist es auch mit Pflichten. Wenn ich es nicht als etwas sehe, dem ich mich nicht entziehen kann, sondern als etwas, was ich möchte. Dann ist das natürlich eine ganz andere Sicht. Es gibt ja auch diesen Spruch Dann sind wir auch gleich durch mit mit dem Phrasen dreschen Ich kann, weil ich will was, was ich muss. So ein Spruch, der von manchen auch als ganz schwierig oder unangenehm empfunden wird. Aber da ist natürlich auch viel Wahres dran. Wenn ich. Wenn ich das für mich akzeptiere, was ich muss, aus welchen Gründen auch immer, und das quasi aus mir heraus mache, dann habe ich auch den Antrieb, die Motivation.

Jan
Und dann kann ich auch sagen Das kann ich, das möchte ich.

Björn
Ich finde ja mit Selbst und Fremdbestimmung. Das ist ein wichtiger Punkt. Eine andere Geschichte, die mir jetzt gerade so eingefallen ist. Wir haben ja gerade vor kurzem noch eine Sendung letzte Woche zum Thema Transparenz aufgenommen, wo es ganz viel um das Warum ging. Also dass man erklären muss, warum bestimmte Sachen so entschieden werden, wie man sie entschieden hat. Und ich glaube tatsächlich es. Das geht mir auch oft so, dass es gewisse Pflichten gibt, die ich habe, die mir keinen Spaß machen. Aber ich glaube und ich glaube, dass das vielen so geht, dass die Dinge machen, die ihnen keinen Spaß machen, weil sie es als Pflicht empfinden und weil es auch vielleicht eine wichtige Tätigkeit ist, die, die wesentlich ist. Und ich. Mir hilft es zum Beispiel dann auch immer, in solchen Situationen noch mal darauf hinzuweisen, mich selber oder andere. Warum man diese Pflicht überhaupt tut. Also quasi einen Schritt zurückgehen und den Blick aufs große Ziel setzen. Also ganz typisches Ding ist ja Sparsamkeit zum Beispiel.

Björn
Also ich spare Geld, um mir irgendwann etwas Schöneres zu leisten. Oder ich spare Geld, um mir irgendwann keine Sorgen zu machen oder einen schönen Ruhestand zu haben oder irgendwie so was. Oder ich putze meine Wohnung, weil ich gerne in einer sauberen Wohnung lebe, in einer schönen Wohnung. Wenn ich das nicht mache, habe ich keine schöne Wohnung. Solche Geschichten. Und anstatt sich dann, das beobachte ich sehr häufig, dass das ist, dass Menschen sich sehr auf die Tätigkeit konzentrieren, blöd, blöd putzen, blöd lange im Zug sitzen und Großtante Ursula besuchen. Wie auch immer. Aber. Aus den Augen verlieren, warum sie das eigentlich machen. Nehmen wir das Beispiel der Großtante Ursula Zusammengehörigkeitsgefühl, Rückhalt in der Familie. Also solche Geschichten, auch wenn das vielleicht lästig ist, lange im Zug zu setzen. Meine Belohnung werde ich ja kriegen, wenn ich die Wohnung putze, setzt sich hinter einer schönen, sauberen Wohnung. Wenn ich jetzt Geld spare, kann ich vielleicht mir den tollen großen Urlaub leisten. Wie auch immer, ich glaube, dass es ganz wichtig ist, bei Pflichten, die man wirklich machen muss, weil man sich selbst dazu verpflichtet hat.

Björn
Wenn man ein bestimmtes Ziel hat, sieht das nie aus den Augen zu verlieren, da immer einen Schritt zurückzugehen.

Jan
Ja, also da ist man ja bei diesem Thema. Belohnungs Aufschub oder Gratifikation Aufschub, wo es ja auch diese Experimente gibt mit Kindern, die dann in einem Raum sitzen. Dann heißt es also Hier liegt ein Keks, wenn zehn Minuten wartest und die nicht ist, dann kriegst du noch einen zweiten. Und die einen, die einen, die anderen eher weniger. Und was sich daraus dann ableiten lässt. Das ist natürlich ein Effekt, dass ich mir also sagen kann Wofür ist es denn gut, dass ich diese Verpflichtung mache? Es gibt aber auch Verpflichtungen, da gibt es vielleicht gar keinen Grund für, weil es ist einfach so, wie es ist und ich kann mich der Sache nicht entziehen. Oder ich muss es jetzt tun, weil vielleicht auch äußere Zwänge da sind. Und da habe ich vielleicht auch, oder es gibt vielleicht auch Dinge, die muss ich tun, obwohl sie mir nicht gefallen. Auch das ist etwas, was es geben kann. Und dann sind wir aber wieder bei dem Thema Akzeptanz. Bzw. Wir hatten vor einiger Zeit das Thema Gelassenheit Gebet.

Jan
Also auch die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Wenn es eine Sache ist, die ich nicht ändern kann, und ich weiß, dass es eine Sache ist, sie nicht ändern kann, dann muss ich auch eigentlich keine Energie darauf verschwenden, mich jetzt innerlich damit auseinanderzusetzen, warum das jetzt so ist oder dass ich es eigentlich nicht möchte, sondern kann ich einfach mich darauf konzentrieren, die Sache zu tun und hinter mich zu bringen. Ist vielleicht nur ein kleiner Trost, aber es ist dann quasi die einzige Möglichkeit, damit umzugehen. Zu versuchen, es anzunehmen. Als eine Notwendigkeit. Und vielleicht zu versuchen, in der Sache trotzdem noch das Gute zu sehen. Vielleicht gibt es trotzdem noch etwas, was ich dabei daraus lernen kann. Und vielleicht kann ich mit einer gewissen Achtsamkeit, mit der ich das tue, noch das Beste daraus machen. Das sind Möglichkeiten, wie man damit umgehen kann. Aber letzten Endes ist das genau dieser Punkt. Entweder sage ich, ich habe da einen Belohnungs Aufschub. Diese Verpflichtung ist für später gut.

Jan
Oder ich muss halt einfach akzeptieren, dass es jetzt diese Verpflichtung gibt. Oder dritte Variante, die wir am Anfang hatten. Vielleicht ist es gar keine Verpflichtung, sondern es ist eine wahrgenommene Verpflichtung. Und es gibt durchaus die Möglichkeit, dass ich sage Nein, ich mache es nicht.

Björn
Was für viele Menschen ein riesiger, mutiger Schritt ist, sehr häufig. Und das ist ja auch etwas, wo Coaching tatsächlich sehr gut helfen kann. Das du hast das Auftrags Karussell schon angesprochen zum Beispiel überhaupt herauszuarbeiten. Ist das eine Verpflichtung, die wirklich da ist oder habe ich mir das selbst auferlegt? Weil das sind dann Sachen, die man ja relativ leicht loswerden kann. Also wenn das eine Verpflichtung ist, die nur aus einem selbst raus kommt, aus einem Gefühl, das sich vielleicht völlig wegrationalisieren lässt, wo man sich sehr schnell darüber im Klaren wird, das ist eigentlich totaler Quatsch, was ich hier mache. Ich glaube, davon verabschieden wir uns recht einfach. Und für alles andere, was von außen kommt, wie du schon sagst, kann man sich sehr schön auch in einem Coaching überlegen Was wäre das Schlimmste, was passieren könnte? Das ist ja zum Beispiel eine Frage, wenn man die stellt, die ganz oft schon die Lösung bringt, in dem Moment schon klar wird Es kann ja gar nicht so wahnsinnig Schlimmes passieren, die Welt wird nicht untergehen.

Björn
Also das sind, das sind so Herangehensweisen daran. Aber grundsätzlich ist das ist so eine klärung, so eine auftrags klärung bei verpflichtung sehr, sehr heilsam. Spannendes Thema.

Jan
Absolut. Tja, so sind wir dabei bei dem Thema. Verpflichtungen haben das Beleuchten von unterschiedlichen aus unterschiedlichen Perspektiven vielleicht. Zusammengefasst gibt es da auch noch mal diesen Punkt, den man ja auch im Coaching anwenden kann die einen oder anderen. Vielleicht auch schon mal dieses Rad gesehen mit diesen drei Punkten? Love it, change it or leave it. Also entweder freunden wir uns mit den Dingen an, die wir als Verpflichtung sehen, oder wir ändern sie oder wir tun sie halt einfach nicht. Das sind die Möglichkeiten, wie man damit umgehen kann. Und wir hoffen, ihr habt Spaß gehabt dabei, euch heute mit Verpflichtungen auseinander zu setzen. Wir freuen uns darauf, von euch zu hören, was eure Verpflichtungen sind oder ob ihr vielleicht noch andere Rezepte habt, wie man mit Verpflichtungen umgeht. Wenn ihr über eure Verpflichtung sprechen möchtet, findet ihr unsere Kontaktdaten natürlich unter dem Podcast und wir freuen uns auf eure Nachrichten und wünschen euch ansonsten bis zur nächsten Folge alles Gute und Verbleiben. Mit besten Grüßen und Björn, verabschiede dich gerne.

Björn
Bis bald. Bis nächste Woche.

Jan
Auf Wiederhören.

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