Sorry, your browser does not support all the features of this website. Please update it to a newer version or get a modern browser.
download Firefox download Google Chrome download Opera
Ignore
Coach & Coach Logo Podcast

Coach&Coach: Das innere Kind

19. August 2022

Das innere Kind – wer hat davon noch nicht gehört? Es gibt zu diesem Thema so viele Missverständnisse, dass die meisten Menschen als erste Reaktion darauf wohl eher zurückschrecken. Dabei gibt es hier ganz handfeste Theorien, die einem den Alltag durchaus erleichtern können – und das ganz ohne Bashing der Eltern. In dieser Folge von Coach&Coach diskutieren Jan Gustav Franke und ich die verschiedenen Theorien zum inneren Kind und erläutern Methoden, wie einem dies (auch im Coaching) helfen kann.

Links zu den im Podcast genannten Büchern: 

Das innere Kind muss Heimat finden
Wer A sagt muss noch lange nicht B sagen

 

Listen on Apple Podcasts

Hier die Transkription des Podcast:

Jan
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Coach und Coach. Ich sage Hallo, Björn!

Björn
Hallo, Jan.

Jan
Hallo. Wir sprechen heute über ein Thema, was sehr populär geworden ist, teilweise auch sehr kontrovers diskutiert, mit dem auch einige ihre Berührungsängste haben. Und zwar geht es heute um das innere Kind. Ja, und das innere Kind ist ein Modell, mit dem man arbeiten kann, im Coaching, in der Therapie. Und ja, man kann vortrefflich darüber diskutieren. Björn, was fällt dir denn als erstes dazu ein?

Björn
Die ganzen Vorurteile, die es darüber gibt, fallen mir als erstes ein. Also du hast ja gesagt, Berührungsängste haben viele das tatsächlich etwas, was ja auch ganz häufig schon begegnet ist. Also ich habe sehr viel Kontakt zu meinem inneren Kind gehabt, vor einiger Zeit auch noch ein bisschen intensiver, weil ich ein paar Themen aufarbeiten wollte und auch musste und habe da darüber auch gerne gesprochen. Und da habe ich dann schon gemerkt, das da kann man auch nicht mit jedem drüber sprechen, weil das ganz oft so ein so ein Dünkel hat, von wo du und ja, die Eltern sind an allem schuld und so, also da gibt es sagenumwobene Dinge, die, die damit verbunden wären, die aber einfach faktisch ja gar nicht stimmen.

Jan
Ja, okay, müssen wir noch mal damit anfangen, was das innere Kind überhaupt ist? Bevor jetzt hier schon die Zuhörerinnen und Zuhörer denken, es geht hier heute um Vodoo oder in Teilen. Das Thema ist ja tatsächlich auch relativ bekannt geworden durch das Buch von Stefanie Stahl Das Kind in dir muss Heimat finden, wo es also auch um das innere Kind geht. Und grundsätzlich ist es ja ein Modell, das darstellt, dass es in uns ein Kind Anteil gibt in unserer Persönlichkeit. Und dieser Anteil kommt letzten Endes daher, dass wir ja über unser ganzes Leben lang Erfahrungen machen, aber halt eben auch ganz wesentliche und prägende Erfahrung in der Kindheit. Und dass diese Erfahrung unter Umständen auch auf das ganze Leben ausstrahlen kann. So kann es sein, dass wir eben ganz besonders freudige Erlebnisse haben, die mit ausstrahlen auf das gesamte Leben. Es kann sein, dass es tragische oder traumatisierende Erlebnisse gibt, die auch auf das Leben ausstrahlen und die dann auch im Menschen selbst wirken wie bestimmte Glaubenssätze Du darfst nicht, du musst oder irgendein Verhalten ist ganz besonders gut oder ganz besonders schlecht.

Jan
Und das Interessante daran ist, dass selbst. Nicht so? Ja. Für einen erwachsenen Menschen empfundene Erfahrung auf ein Kind hat eben ganz anders wirken können, weil eben die Wahrnehmung und der Kontext des Verständnisses noch viel geringer ist. Und deshalb eben auch die Interpretation einer bestimmten Situation deutlich dramatischer, ob jetzt im positiven oder negativen positive oder negative Richtung ausfallen kann. Und das hat vielleicht auch eine größere Auswirkung hat. Und eben dieses Modell geht davon aus, dass wir also diese Anteile haben von der Erfahrung unseres inneren Kindes und dass die halt eben bis ins Erwachsenenleben ausstrahlen. Ja, und das ist, wozu kann das führen?

Björn
Ich möchte das noch ein bisschen ergänzen, wenn ich glaube, bevor wir über die Konsequenzen sprechen, das ist der eine Teil, also dass man Erfahrungen macht in der Kindheit, die ausstrahlen auf das Erwachsenenalter. Aber ich glaube, der Begriff des Modus oder des, das jedoch des Modus ist hier sehr wichtig. Der kommt ja ursprünglich auch aus der Schema Therapie oder dem Schema Coaching. Beziehungsweise findet er sich ja interessanterweise auch in der Transaktionsanalyse, wo ja auch davon ausgegangen wird, dass wir in verschiedenen Modi kommunizieren bzw verschiedene Muster in uns ablaufen, je nachdem was für einen Modus wir uns befinden. Und es gibt halt diese Kind Modi, da gibt es das verletzte Kind, das fröhliche Kind, das in der Transaktionsanalyse ist auch gerne vom rebellischen Kind die Rede, das mit dem Fuß aufstampfen und ich glaube, dass das ein eine Art und Weise ist, darauf zu schauen, die die besonders einleuchtend ist. Weil das kennt glaube ich jeder, dass man in manchen Situationen auf eine Art und Weise reagiert, die man, wenn man sie jetzt ganz distanziert und etwas abgeklärter betrachtet, vielleicht mit einem rebellischen Kind, mit einem trotzigen, mit dem Fuß aufstampfen rebellischen Kind vergleichen könnte.

Björn
Ich finde, ein ganz schönes Bild ist in der Achterbahn fahren, wenn man sich vorstellt, man sitzt in einer Achterbahn und fährt mit der Bahn. Da wird sofort in der Regel ein Eins und zwei Kind Modi aktiviert, nämlich das fröhliche Kind, das freie Kind, das unglaublich Spaß hat, das lacht, das schreit, dass diese diese, diese außerordentliche Situation sehr genießt. Oder das ängstliche Kind, das panisch wird, das Angst hat, dass was Schlimmes passiert. Und das sind ja Haltungen, die wir als Erwachsene eigentlich nicht haben. Also wir sind ja als Erwachsene, zumindest als gesunde Erwachsene, laufen wir nicht ständig euphorisch oder ständig panisch durch die Gegend. Und diese Geschichte mit den verschiedenen Modi macht das Ganze insofern greifbarer, als dass es nicht bedeutet Da ist irgendetwas in mir, was nicht zu mir gehört, sondern es ist einfach ein Teil von mir. Es ist ein ein wie ein Unterprogramm von mir, das in bestimmten Situationen aktiviert wird. Und was die Folgen davon sind, ist natürlich, dass wenn wir, wie du es eben so schön gesagt hast, als Kind eine bestimmte Erfahrung gemacht haben, die dann auch in so einem Kind Modus wieder aktiviert wird und eine bestimmte Reaktion zur Folge hat, in unserer Erwachsenenwelt vielleicht Konflikte auslöst und uns oder uns an Dingen behindert, die wir erreichen wollen und und und.

Björn
Weil das nicht miteinander zusammengeht, weil die, die dieser kind modus in keiner, in keinem abgeklärten verhältnis zu unserem erwachsenen modus steht. Sagen wir mal so die greifen, die geben sich nicht die Hand, sondern da ist sie, da ist eher ein Kampf und das hat man sehr, sehr häufig.

Jan
Tja, und damit hast du aus meiner Sicht auch schon super gut umrissen, warum es auch so viele unterschiedliche Berührungsängste gibt mit diesem Thema. Mein Eindruck ist, dass das teilweise bei männlichen Vertretern mehr der Fall ist als bei weiblichen, aber wo es halt doch eine große Berührungsangst gibt, dahingehend zu sagen Ich habe doch etwas Kindliches in mir, ich bin doch ein erwachsener Mensch und erwachsenen vernünftig. Und das kann auch sein, dass da irgendwelche Kindheits Anteile in mir sind, in denen ich mich angeblich verhalten soll. Und ich kann auch ehrlicherweise sehr gut nachvollziehen, dass man so seine Berührungsängste damit haben kann. Ich glaube, man muss das auch nicht abschließend so verstehen, dass man jetzt hier irgendwie in unterschiedlichen Persönlichkeiten wechselt zwischen Jetzt bin ich erwachsen und jetzt bin ich eigentlich ein Kind und das eine ist gut und das andere ist schlecht. Wenn wir jetzt zu Transaktionsanalyse kommen, dann gibt es auch quasi noch den Eltern Modus. Und so weiter. Sondern es geht ja auch mehr darum, dass man versinnbildlicht, wie man sich fühlt oder warum man sich auch wie verhält, in welchen Momenten.

Jan
Und da gibt es das durchaus. Und dieses Muster oder dieser Modus, auch der kann unheimlich helfen, auch in tatsächlichen Situationen zu verstehen, warum andere Menschen sich unter Umständen gerade verhalten, wie sie sich verhalten. Aber. Das kann auch unheimlich helfen, sich selbst zu verstehen und Dinge nachzuvollziehen. Und deshalb ist es eigentlich etwas, wenn man mal diese Berührungsangst überwindet. Etwas Schönes, mit dem man arbeiten kann und das einem auch wirklich weiterhelfen kann. Meiner Meinung.

Björn
Nach ja. Also dass das vor allem gerne männliche Vertreter, also Männer, tatsächlich haben. Das mit den Berührungsängsten habe ich auch beobachtet, hat natürlich damit zu tun, glaube ich, dass in der das wie wir Jungs in der Erziehung sehr häufig, ja eigentlich eher so diesen dieses starke und drum muss stark sein und erwachsen sein und Jungs weinen nicht. Zumindest war das in meiner Zeit noch alles so vermittelt bekommen. Und dann ist es auf einmal ganz komisch, wenn man dann auf einmal von diesem Ich bin doch der, der der mache ich schafft doch als ich habe alles unter Kontrolle weg soll und sich mit diesem Kind einmal in Verbindung bringen soll, das wir da mit uns herumtragen. Ich glaube also im Buch das Du hast eben schon ein Buch erwähnt, ich möchte gerne noch ein anderes erwähnen, das habe ich, glaube ich, in persönlichen Gesprächen mit dir auch schon oft erwähnt. Das heißt, wer A sagt, muss nicht unbedingt B sagen und da wird das sehr eindrücklich geschildert, auch noch mal was die wie die Das Buch dreht sich ganz grundsätzlich erst mal hauptsächlich um Schema Coaching oder Schema Therapie.

Björn
Aber da werden diese verschiedenen Medien, auch die Kind Mutti noch mal sehr eindrücklich beleuchtet und auch erklärt, wie die geformt werden und wie die Einfluss auf uns nehmen. Und ein ganz tolles Beispiel auch, dass sehr wahrscheinlich jeder Hörer auch nachvollziehen kann, ist, dass man im Auto sitzt und sich fürchterlich aufregt über irgendeinen anderen Autofahrer. Also dass man da wirklich total überreagiert. Und es gibt Menschen, die haben dann Probleme mit sich selbst, dass sie da so überreagieren. Und das sind Situationen, die kenne ich zum Beispiel auch von mir, dass ich manchmal denke Mein Gott, was regst du dich denn da jetzt so drüber auf, könnte dir doch auch egal sein. Und das sind dann diese trotzigen Kinder, das sind dann diese wütenden, trotzigen Hat dann in dem Moment zum Vorschein kommen. Und jetzt kommt was ganz Spannendes Das innere Kind will nicht weggedrückt werden. Diese Anteile wollen eben nicht runtergedrückt werden und nicht eliminiert werden, sondern die möchten ja eigentlich, dass der erwachsene Anteil sich mit diesem inneren Kind ausdehnt. Das klingt total esoterisch, ist es aber gar nicht.

Björn
Und weil aus meiner Praxis raus gesprochen, ist es tatsächlich so Das nehmen wir das Beispiel mit dem Autofahren, mit dem Aufregen, ich mich immer geärgert habe über mich selber, dann, dass ich mich so aufrege. Jetzt habe ich schon wieder über so jemanden so aufgeregt. Warum? Und das muss aufhören. Und? Es hat erst aufgehört oder ist weniger geworden in dem Moment, wo ich verstanden habe, warum sich dieser Anteil von mir da eigentlich so aufregt. Und es ist auch in Ordnung, dass er sich aufregt. Und jetzt regt er sich immer noch ein bisschen auf. Aber es ist nicht mehr so explosiv. Es ist nicht mehr so, so laut, es ist einfach Teil. Es ist mehr in meinen erwachsenen Ich integriert. Und ich glaube, dass ein Großteil unserer Hörer jetzt denkt, die haben sie eigentlich alle nur von Erwachsenen, ich und Kinder, ich und so was. Es ist leichter, das zu nachzuvollziehen, wenn man da mal mitgearbeitet hast du da mal mitgearbeitet?

Jan
Ich würde mich erst mal davon differenzieren, dass die dir wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank quatsch. Also ich habe. Es ist eben genau dieser Punkt. Die Frage ist immer, wie man auch damit arbeitet, wie man damit umgeht. Ich persönlich tu mich auch unheimlich schwer damit, mit diesem dieses Kind. Das möchte jetzt irgendwie Versöhnung haben oder damit muss man sich jetzt irgendwie versöhnen. Mir fällt zum Beispiel viel leichter, einfach anzunehmen oder wahrzunehmen, dass es diese Anteile gibt und dass es quasi solche Verhaltensmuster gibt. Aber ich empfinde oder sehe das auch selbst jetzt nicht tatsächlich als. Als wie eine Person in mir drin. Da arbeitet aber auch jeder Mensch unterschiedlich mit. Das ist auch in Ordnung und da muss auch jede Person irgendwie den Weg finden, die der da irgendwie gut funktioniert. Ich kann mir nachvollziehen oder annehmen, das ist meine Möglichkeit, damit zu arbeiten, zu sagen, es gibt Anteile in mir, die kommen eher aus der aus einer Kindheit. Und deshalb fühle ich mich jetzt in einer Situation, wo ich mich aufrege oder wo ich mich, was weiß ich.

Jan
Vielleicht wird man sich mal ausgegrenzt oder da hat man das Gefühl, übergangen zu werden oder so was. Und dann kann ich wahrnehmen, dass das vielleicht so eine Reaktion ist, die hat eben aus der Kinder inneren Kind Erfahrung kommen kann und das kann ich dann auch entsprechend würdigen. Das ist ja auch immer der große Punkt, dass man eben auch diese Reaktionen nicht einfach weg schmettert oder das hinterfragt, warum das denn jetzt so ist, sondern dass man einfach erst mal würdigt, dass es so ist und woher es kommt. Vielleicht hat man so was erfahren, dass man eventuell mal irgendwo ausgegrenzt wurde, übergangen wurde oder Angst vor etwas hatte oder wie auch immer. Und man kann das würdigen, dass das zu dem Zeitpunkt eben auch in dem Empfinden als Kind oder wie auch immer eine berechtigte Reaktion war, aber das ist heute nicht mehr notwendig ist. Und darüber kann man sich ja auch im Prinzip regulieren, ist ja eine Form der Möglichkeit, auch damit zu arbeiten. Das fällt mir zum Beispiel viel leichter zu sagen, das ist jetzt eben eine Reaktion, die daher vielleicht stammen kann oder wie auch immer.

Jan
Aber dass ich das nicht so abstrakt tatsächlich als als wie eine eigene Persönlichkeit sozusagen betrachte, wobei man das natürlich wunderschön verbildlichen kann, auch beispielsweise in dem Tun des inneren Teams, kann man das ja auch mit aufnehmen, wenn man möchte und so gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Es gibt ja auch durchaus Personen, die halt eben mit einem Symbol dafür arbeiten, mit einem Kuscheltier oder so was, was sie dann als als inneres Kind dann quasi auch mal in den Arm nehmen und trösten, wenn es, wenn es nicht gut geht oder so was. Und letzten Endes ist ja der Punkt dabei Es ist erlaubt, was hilft und keinem anderen Menschen schadet. Das ist, das ist erlaubt. Und wenn das, dann muss halt jede Person auch einfach den Weg finden, dass der da richtig ist. Also interessant finde ich in dem Zusammenhang, dass es ja auch hier unterschiedliche Punkte gibt. Es gibt ja sogar Therapeuten, die soweit gehen, dass wenn man eine Ablehnung ablehnende Haltung hat gegen dieses innere Kind, dass das auch wieder ein Indikator dafür ist, dass man ein Problem hat oder wie.

Björn
Wenn man das Problem meidet. Also wenn man in dem Moment, wo die merken, das ist, dass das etwas ist, was man immer gerne umschifft, dann scheint es da etwas zu geben, wo man vielleicht dann doch noch mal den Finger drauflegen sollte. Ja.

Jan
Richtig. Und wahrscheinlich führen Fühlende auch unterschiedliche Wege Wege nach Rom.

Björn
Und ich finde auch, dass es eine ganz, ganz, total individuelle Geschichte ist, wie man das empfindet, ob man das jetzt als eigenständige Person empfindet oder als ein Modus, der automatisiert abläuft oder eher rational betrachtet. Das ist etwas, da reagiere ich aufgrund eines Einflusses in meiner Kindheit, ist total individuell. Ich glaube, was wir auch noch kurz besprechen sollten, ist die Rolle der Eltern ist ganz in diesem ganzen Konstrukt, weil es gab ja früher immer so ganz hämisch so den Satz Wenn du zur Therapie gehst, sind sowieso die Eltern schuld. Und ich glaube, das müssen wir auch noch mal ganz klar sagen. Es geht hier ja nicht um Schuld. Und ich glaube, wir beide teilen uns ja auch in unserem Weltbild eigentlich die die Sicht, dass jeder Mensch etwas aus einem Positiv mit einer positiven Absicht tut. Grundsätzlich also selbst wenn es etwas ist, was vielleicht auf den ersten Blick gar nicht positiv erscheint, ist dahinter immer eine positive Absicht. Vielleicht für sich selbst, für die eigenen Kinder. Aber die Absicht ist immer positiv.

Björn
Und deswegen Es geht ja auch gar nicht darum, die Eltern zu bashen und zu sagen, wir haben alle verletzte Kinder in uns, weil unsere Eltern Katastrophen gebaut haben. Darum geht es gar nicht. Aber du hast es so schön am Anfang gesagt Kinder nehmen Dinge anders wahr. Die nehmen Dinge einfach für gegeben wahr, die wir als Erwachsene viel eher hinterfragen würden. Und das macht natürlich etwas mit uns. Du hast eben diesen schönen, dieses, diesen schönen Satz gesagt oder dieses Beispiel gebracht mit Da fühlt man sich übergangen. Das ist eigentlich ein Paradebeispiel, dass man sich als Kind übergangen fühlt, was man als Erwachsener nie getan hätte, weil man da abstrahieren kann, dass man vielleicht gar nicht dran war oder dass er anders Vorrang hatte in dem Moment, dass das unfair gewesen wäre, wenn man da. Gekommen wäre oder wenn man da mehr bekommen hätte oder wie auch immer. Aber als Kind empfinde ich das nicht so, weil ich es nicht erwachsen betrachten kann. Und das sind halt Erfahrungen, die sich dann festsetzen können und die dann in bestimmten Situationen eine Reaktion als Erwachsener auslösen können, mit der wir gar nicht klarkommen, die wir auch nicht nachvollziehen können.

Björn
Und da geht es in normalen Situationen ja gar nicht um Schuld. Es geht ja nicht darum zu sagen, so wie alle ein Kind, das leiden will in uns drin. Und das liegt daran, dass unsere Eltern XYZ falsch gemacht haben. Darum geht es nicht.

Jan
Das ist richtig, genau und ändert natürlich nichts daran, dass es teilweise trotzdem das Verhalten von Eltern oder anderen Personen auch in der Umgebung sein kann, was dazu führt, dass sich auch solche Dinge manifestieren und auch ebensolche solche Grundsätze bzw Glaubenssätze dann auch verfestigen. Also interessant, oder? Ich bin ja ganz dankbar, dass ich jetzt quasi als junger Vater in Anführungsstrichen mich mit dem Thema schon ein bisschen mehr auseinandersetzen durfte und da jetzt etwas sensibilisiert für bin. Denn einerseits kommt man natürlich auch als Eltern regelmäßig an seine persönlichen Grenzen, einfach weil keine Ahnung. Man hat eine stressige Situation. Gleichzeitig macht das Kind irgendwie gerade genau das Gegenteil von dem, was es eigentlich tun sollte.

Björn
Zur Überraschung.

Jan
Genau dazu. Vielleicht weil die Hutschnur. Und dann sagst du vielleicht auch was, was vielleicht in dem Moment gar nicht so, so ja tatsächlich gründlich durchdacht ist. Ist es vielleicht eher eine impulsive Handlung in dem Zusammenhang? Aber ich bin schon total dankbar dafür, dass mir das überhaupt so bewusst ist und dass ich dann auch regelmäßig mich dann auch selbst noch mal ein bisschen zurückfahren kann. Oder dass wir das auch im Dialog mit meiner Frau, dass wir das so machen können, dass wir uns dann selbst auch noch mal ein bisschen korrigieren im Zusammenhang, weil das ist auch ganz interessant. Tatsächlich, wenn man mal mit offenen Augen durch die Welt geht und auch sieht, wie Eltern mit Kindern umgehen, was da teilweise so alles erzielt wird. Und wenn du halt irgendwo. Es klingt jetzt. Es klingt als Erwachsener sich dann immer total albern, aber es ist halt trotzdem viel dran, wenn du halt irgendwie ein eigenes Kind im Auto hast und dem Kind halt irgendwie mit zwei Jahren erzählst. Wenn du so weitermachst, dann werde ich dich hier auf der Raststätte aussetzen.

Jan
Da musst du jetzt nicht allein in den Urlaub. Das kann tief sitzen. So, es klingt jetzt total lächerlich, aber für das Kind ist das halt in diesem Zusammenhang nicht.

Björn
Richtig und.

Jan
Es kann halt eben auch nicht abstrahieren. Und das zieht sich durch und manifestiert sich auch über viele Jahre.

Björn
Danke für die Geschichte, weil das etwas, was ich zum Beispiel erstens selbst erlebt habe, solche Sätze und auch in meinem Freundeskreis immer wieder erzählt bekommen habe, dass sie das, was auch da als Erziehungsmaßnahme quasi benutzt wurde, eine solche androhen. Und das ist etwas, da sagst du was ganz anderes. Ich glaube dir das Bewusstsein darüber, dass sich ein Kind, dass das bei einem Kind natürlich anders ankommt, weil es Dinge nicht hinterfragt, sondern das ist für das Kind dann die absolute Wahrheit. In dem Moment, gerade wenn es von den Eltern kommt und das kann, selbst wenn es sonst geliebt wird und natürlich nicht ausgesetzt wurden, alles in manchen Situationen vielleicht auslösen, dass es Angst hat. Als Beispiel, dass jemand Angst hat, seinen Standpunkt zu vertreten, ist jetzt ein Beispiel von ganz vielen. Aber das sind Sachen, wo das eine einfach sein muss. Jetzt wollen wir ja nicht allen jungen Eltern Angst machen, dass ihre Kinder verderben. Aber du sagst schon ganz richtig, das Bewusstsein darüber schon ganz, ganz viel bringt.

Björn
Ich habe ja keine Kinder, aber mir bringt zum Beispiel dieses Bewusstsein über diesen Einfluss und dieses dieses, was dieser innere Kind Anteil mit mir eigentlich tut, in manchen Situationen einen ganz großen Frieden mit mir selbst, weil ich, weil ich mich besser verstehen kann, weil ich Reaktionen von mir besser einordnen kann, verstehen kann und ich tatsächlich. Ich sehe das tatsächlich eher so, in diesem bildlichen Sinn, dass das, dass man mit diesem Wesen da in Kontakt treten kann, dem die Hand reichen kann und das Kind in die Hand nehmen kann oder auch mal trösten kann, in Arm nehmen kann, in die Luft werfen kann solche Sachen. Aber das ist wie gesagt individuell sehr, sehr unterschiedlich.

Jan
Und da kommen wir jetzt eigentlich zu dem ganz wesentlichen Punkt, denn bis hierhin hätte jetzt, da diese Episode sehr, sehr viel prämiert werden können, nämlich nach dem Motto Haste schlechte Erfahrungen gehabt, das Salz gehabt. Und genauso ist es eben jetzt hier auch in diesem therapeutischen Ansatz oder auch in diesem Coaching Modell Ansatz eben nicht, sondern es gibt da ja diesen ja wohl zitierten Satz Es ist niemals zu spät für eine glückliche Kindheit wird verschiedenen zugesprochen, die das Wohl als Urheber und den das zuzusprechen ist. Aber was soll das sagen über diese Arbeit mit dem inneren Kind oder diesen inneren Kind Anteilen? Gibt es also auch die Möglichkeit damit später noch umzugehen, arbeiten zu lernen und dann eben auch wiederum positive Erlebnisse zu schaffen. Und diese Sachen in Anführungsstrichen zu heilen, wenn man so sagen möchte, also wieder in eine positive Bahn zu lenken. Und das sind eben genau diese Punkte, die du auch gerade schon die du schon genannt hast, wo ich auch schon was zu gesagt hatte, nämlich, dass man einerseits damit umgehen kann, dass man das erst mal wahrnimmt, was da für Anteile sind, dass man diese entsprechend würdigt und dass man sich vielleicht auch die Zeit nimmt dafür, das ja damit umzugehen.

Jan
Manche Therapeuten sprechen ja auch davon, sich dann selbst zu be eltern in Anführungsstrichen. Ich würde mal wieder auf das Buch würdigen und wertschätzend zurückkommen dieser Punkte. Aber das ist denke ich sehr individuell. Und das kann man eben in unterschiedlichen Formen machen. Und das kann man also quasi in direkter ein Gespräch auch machen, dass man tatsächlich versucht, das nachzuempfinden bzw tatsächlich im inneren Dialog so zu zu besprechen. Man kann es im inneren Team machen, worüber wir schon gesprochen haben. Man kann es sicherlich auch noch in ganz, ganz vielen diversen anderen Wegen machen und man kann es auch tatsächlich tun, indem man diesen Anteilen oder diesen diesen teilen, die man hat. Ob das jetzt irgendwie tatsächlich eine trotzige Reaktion ist oder eine fürchterlich alberne Reaktion oder wie auch immer, dass man dem auch etwas Raum mal gibt und einfach mal sich da auch etwas selbst austestet, wenn man dann möchte.

Björn
Ja, also es ist ein unheimlich tief, tief, schlicht vielschichtiges und tiefes Thema. Und ich glaube, wir beide hoffen, dass wir den Zuhörern heute so ein bisschen die Berührungsängste damit genommen haben. Weil es ist nicht unbedingt immer fürchterlich, was da mit dem inneren Kind passiert. Das kann auch unheimlich lustig und herzerfrischend sein. Und man kann mit dem inneren Kind auch herzhaft lachen und viel Freude haben, vor allem dann, wenn man sich damit auskennt. Wir hoffen, die Episode hat euch was gebracht und ihr bleibt uns treu und hört uns auch nächste Woche wieder zu. Wenn ihr Wünsche oder Anregungen für andere Themen habt, könnt ihr uns die natürlich über unsere Kontaktdaten, über unsere Homepages zukommen lassen. Kontaktdaten wir immer unter dieser Podcast Episode. Ich sag bis nächste Woche und der Jan sagt.

Jan
Auf Wiederhören.

Your site doesn’t have any tags, so there’s nothing to display here at the moment.

Neueste Blogbeiträge

30. September 2022

Coach&Coach: Dringend oder wichtig?

23. September 2022

MeisterTask Projekte verwalten, archivieren, löschen und wiederherstellen

16. September 2022

Coach&Coach: Aufschieberitis – wie man Prokrastination beheben kann

9. September 2022

Coach&Coach: Transaktionsanalyse – Besser kommunizieren

2. September 2022

Coach&Coach: Midlife-Crisis

26. August 2022

Coach&Coach: Enttäuschung

19. August 2022

Coach&Coach: Das innere Kind

12. August 2022

Coach&Coach: Führungskraft oder nur vor-gesetzt?

11. August 2022

Besser kommunizieren – Transaktionsanalyse

5. August 2022

Coach&Coach: STRESS

29. July 2022

Coach&Coach: Coaching Walks – bezahlte Spaziergänge?

22. July 2022

Coach&Coach: Lösungsorientierung – raus aus der Problemtrance


Consent Management Platform by Real Cookie Banner